Sodbrennen / Gastritis ohne „Magenschutz“ in den Griff zu bekommen?

by Daniel Scheidbach

Sodbrennen/Gastritis sind häufig – aber nicht alle Verdauungstörungen sind Säurebedingt

Wie heuer in einem Artikel im Standard zu lesen war, sind Pantoloc und Co längst nicht so harmlos, wie der Name „Magenschutz“ suggerieren will. Wo Protonenpumpenhemmer (PPIs) sinnvoll bei Sodbrennen/Gastritis (besonders da, wo vermehrte Säure die Beschwerden verschlimmert oder verursacht) und deren Folgen eingesetzt werden, sollten sie bei Reizmagen und anderen „Verdauungsstörungen“ wiederum eher nicht verwendet werden.

Bei Sodbrennen/Gastritis können PPIs schnelle Linderung verschaffen, aber sobald sie abrupt abgesetzt werden, kann es häufig zu einer gesteigerten Symptomatik kommen. Dann greifen viele zur Dauertherapie, um weiterhin symptomfrei das Gewohnte essen und trinken zu können.

Viele Ärzte verschreiben schon bei kurzem Einsatz von Schmerzmitteln aus Absicherung höher dosierte PPIs, obwohl das bei einigen Tagen Einnahmezeit längst nicht bei jedem Patienten sinnvoll ist. Da es sich um einen „Magenschutz“ handelt, gewinnt man sogar den Eindruck, es könne ja nicht schaden. So wurde ich selbst oft Zeuge davon, dass Hausärzte das Medikament einfach weiterlaufen ließen, obwohl es z.B. in einem Krankenhaus nur als Begleitung einer temporären Schmerztherapie gedacht war.

 

Nebenwirkungen bei dauerhaften Einnahme?

Es gibt sicher Menschen, die keinerlei Nebenwirkungen spüren, selbst nach Jahren. Jedoch gibt es in ersten Studien schon Hinweise darauf, dass die Darmflora, vermutlich durch ein Absenken des Säuregehaltes im Magen, deutlich verschoben wird.

Das sogenannte SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth) – Syndrom kann die Folge sein. Hier kommt es zu unspezifischen Verdauungsbeschwerden wie Blähbauch, abwechselnd Durchfall/Verstopfung und zu einer Beeinträchtigung des Immunsystems.

Allergien und Intoleranzen werden häufiger. Der Grund: eine zu starke Besiedelung des Dünndarmes mit Bakterien, die sich schon um eigentlich gut verdaulichen Nahrungsbrei kümmern und Gase entwickeln, bevor die Nahrung vom Darm absorbiert werden konnte. Es können sich auch eher ungesunde Keime dazu gesellen und eine gestörte Darmflora (Biom) hat Einfluss auf das Immunsystem und viele Körperfunktionen – sogar auf unsere Stimmung.

Ebenfalls scheint es realistisch (weitere große Studien fehlen), dass auch das Osteoporoserisiko unter Langzeiteinnahme von Protonenpumpenhemmern wie Pantoloc und Co steigt.

 

Wo kann der Ayurveda helfen?

Der sinnvolle Einsatz von Säureblockern nach Ärztlicher Untersuchung wie z.B. einer Magenspiegelung ist auf jedenfall Grund dafür, dass wir heutzutage kaum mehr eine Speiseröhre aufdehnen müssen und dass viel weniger Menschen an einem Magengeschwür oder Magenkrebs sterben.

Ob Ayurveda also als Alternative oder als integrativer, zusätzlicher Ansatz gewählt werden kann, sollte mit allen behandelnden Ärzten abgesprochen werden. Nach einem Beratungsgespräch werden vermutlich bei Vorliegen von säurebedingten Beschwerden zunächst Säureblocker beibehalten. Die individuelle Umstellung von Lifestyle und Ernährung sowie die Unterstützung durch Heilkräuter wie den Wilden Spargel (asparagus racemosus) unterstützen den Heilungsprozess und erleichtern das langsame Absetzen der modernen PPIs.

Eine kurze stress- oder ernährungsbedingte Gastritis kann akut durchaus mit Ernährung/Verhalten und einigen Kräutern (auch traditionell europäisch mit Kamillenteerollkur) in den Griff zu bekommen sein – hier ist aber eine Ärztliche Beobachtung anzuraten. Atemübungen wie aus dem Yoga bekannt und Training der Bauchmuskulatur können bei kleinerem Zwerchfellbruch als Ursache für Sodbrennen eine Unterstützung bieten. Es wird in der Literatur auch empfohlen, Kaugummi zu kauen, da der Speichel die Säure neutralisiert – ich empfehle hier lieber Kardamomsamen zu kauen – sie schützen zusätzlich die Schleimhäute und regen den Speichelfluss an. Ist jedoch ein anatomisches Problem der Grund für Sodbrennen und Gastritis, hilft manchmal nur die Operation.

Sodbrennen jedenfalls ist ein ernst zu  nehmendes Symptom, welches manchmal auch still verlaufen kann und jahrelang nur Heiserkeit und Schleimbildung in der Früh erzeugt, bis man schließlich in der Magenspiegelung erste Vorstufen von Krebs (geringes Entartungsrisiko bei kleinen Läsionen) entdeckt. Richtige Ernährung und angepasstes Verhalten sind dafür die beste Vorsorge, die man treffen kann.

Verdauungsstörungen, oft sehr störend aber ohne zugrundeliegende Erkrankung haben laut Ayurveda viel mit „Agni“, dem Stoffwechselfeuer zu tun. Stärkt man Agni durch bestimmte Gewürze und richtiges Essverhalten, können gute Erfolge erzielt werden, wo die westliche Medizin manchmal keine oder wenige Antworten zur Verfügung hat. Auch chronische Entzündliche Darmerkrankungen können unterstützend ayurvedisch behandelt werden.

Mehr zur behandlung von Sodbrennen, Blähungen, Reizdarm & Co erfahren sie beim nächsten Vortrag!

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