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Was versteht man unter Ayurveda?


Ayurveda ist von der Weltgesundheitsorganisation WHO als traditionelle Heilkunde anerkannt (WHO Traditional Medicine Stragegy 2002-2005, Document WOH/EDM/TRM/2002.1)

Ayus bedeutet „Leben“ und Ayurveda ist die aus dem alten Indien stammende Lehre über das Leben.

Dies ist ein weiter Begriff und beinhaltet detaillierte Beschreibungen über förderliches Verhalten und Therapien in sämtlichen Bereichen des Lebens, mit Gewichtung auf Gesundheit und Wohlbefinden.

Ayurveda ist:

  • individuell (auf Person und Krankheit abgestimmte Therapie)
  • ganzheitlich in Bezug auf Körper / Geist / Seele (nicht ein Symptom oder Organ, sondern das Gesamtsystem)
  • ein vielfältiges Therapiekonzept (Ernährung, Kräuter, Manualtherapie, Massage, Meditation und Yoga, ausleitende Verfahren, Schwitzbox, Lifestyleänderung, u.v.m.)
  • ein vielen unbekanntes aber durchaus logisches und wissenschaftliches Erklärungsmodell mit durch vielzählige Studien belegter Wirkung

Die Doshas: Vata, Pitta und Kapha

Warum können manche problemlos ihr Frühstück weglassen und andere bekommen einen Wutausbruch oder Schwindelattacken, wenn sie eine Zeit lang nichts gegessen haben?

Der Ayurveda beobachtet schon seit Jahrtausenden die unterschiedlichen Typen von Menschen und Erkrankungen und hat ein individuelles Konzept zur Gesunderhaltung und Therapie von Erkrankungen entwickelt. Es ist das Konzept der Doshas, der funktionellen Prinzipien.

Manche vergleichen den Körper mit der Hardware und die Doshas mit der Software eines Computers – sie bestimmen, wie der Körper sich verhält und was er ausbildet. Von Dosha spricht man vor allem, wenn eines dieser funktionellen Prinzipien im Ungleichgewicht ist. Kommt dann noch eine physiologische Schwachstelle im Körper dazu, entsteht was wir als Krankheit bezeichnen. 

1. Vata Dosha: das Bewegungsprinzip

aktivierende, absorbierende, bewegende, trennende Funktionsprinzipien wie die der Gedanken, des Nervensystems und Bewegungsapparates, der Resorption im Dickdarm

  • Elementen: Äther + Luft
  • Eigenschaften: trocken, kalt, leicht, feinstofflich, beweglich, rau
  • Körperliche Merkmale: klein oder groß, schlank, trockene Haut und Haare, leicht zu freien, knackende Gelenke
  • Typische Stärken: hohe Kommunikationsgabe, spirituelle Einstellungen, Kreativität, offenes Wesen, flexibilität
  • Typische Störungen: Nervosität, Blähungen, Schlafprobleme, Angst, trockene Haut, Tinnitus, Untergewicht


2. Pitta Dosha: das Stoffwechselprinzip

transformierende Funktionsprinzipien wie z.B. Stoffwechsel, enzymatische Verdauung, Säurewirkung, entzündliche Prozesse, Energiegewinnung

  • Elementen: Feuer + Wasser
  • Eigenschaften: etwas ölig, heiß, penetrierend, flüssig, sauer, beweglich wie eine Flüssigkeit, scharf
  • Körperliche Merkmale: mittlerer Körperbau, athletisch, sensible Haut, viel Schweiß mit Geruch, starke Verdauung
  • Typische Stärken: hohe Motivation, Intelligenz, Selbstbewusstsein, Charisma, systematische Arbeitswesen, Führungsqualitäten
  • Typische Störungen: Ärger, Entzündungen, Hitzgefühl, Hautprobleme, Ungeduld, Einschlafstörungen, Übersäuerung


3. Kapha Dosha: das Strukturprinzip

stabilisierende, aufbauende und schützende Funktionsprinzipien, wie das der Gelenksflüssigkeit, der Lymphe, des Liquors und des Immunsystems.  

  • Elementen: Erde + Wasser
  • Eigenschaften: schwer, kalt, weich, ölig, süß, stabil, schleimig
  • Körperliche Merkmale: stabiler und schwerer Körperbau, nimmt leicht zu, feucht-kalt-fette Haut, langsame Verdauung, breit, muskulös
  • Typische Stärken: ruhige Persönlichkeit, tiefer Schlaf, guter Ausdauer, Stabilität
  • Typische Störungen: Schnupfen, Übergewicht, Verschleimungen, Besitztrieb, Gier, Trähigkeit, Apathie


Diese Eigenschaften kann der Therapeut erfassen und sie sind sowohl in den Krankheitssymptomen wie auch in den Merkmalen des Körpers und des Geistes messbar.

Je chronischer eine Erkrankung, desto weniger wahrscheinlich lässt sie sich heilen, da die Veränderungen im Körper schon zu sehr fortgeschritten sind. Dennoch kann Ayurveda durch sein Erklärungsmodell Ursachen benennen, deren Behandlung einen zusätzlichen Effekt zur modernen westlichen Therapie erbringen können. (Siehe Bericht im Spiegel)


Heilpflanzen


Viele in den Heilpflanzen vorkommende Wirkstoffe sind eine Vorlage für moderne Medikamente.

Ayurvedische Kräuter sind zwar noch nicht alle biochemisch und durch gute klinische Studien untersucht, aber es wurde damit für Jahrtausende praktische Behandlungserfahrung gemacht und bewertet.

Wo die westliche Medizin eine schnelle Wirkung und einen besonders positiven Einfluss auf die Lebenserwartung besitzt, ist die Stärke des Ayurveda die Wiedererlangung des Gesundheitsbewusstseins und der Lebensqualität.

Das ist möglich durch Bewusstmachung der Eigenverantwortung (Verhalten, Ernährung) der Patienten sowie eine verzögerte aber anhaltende Wirkung mit Unterstützung der körpereigenen Selbstheilungskräfte.


Ayurveda in Europa

Ayurvedamedizin findet in Europa Anwendung bei chronischen Erkrankungen wie Rheuma, Asthma, Bluthochdruck, Hauterkrankungen, abgeklärte aber unerklärliche Unfruchtbarkeit, Burnout, Rückenschmerzen, beginnender Diabetes und diabetische Polyneuropathie, Parkinson, chronisches Nieren-, Leber- und Herzversagen, u.v.m.

Es ist immer in enger Zusammenarbeit mit westlichen medizinischen Spezialisten, um das Beste aus beiden Systemen für die PatientInnen herauszuholen.

Das Zauberwort lautet hier integrative medizin. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile und es gilt eine optimale individuelle Kombination herzustellen.

Die ayurvedische Begleitung einer Chemotherapie kann so Nebenwirkungen verringern. Medikamente können durch reinigende und besänftigende Ayurvedatherapie oft reduziert, manchmal abgesetzt werden. In der Akutmedizin ist die westliche Biomedizin jedenfalls vorzuziehen und indische Ayurvedaärzte greifen oft auch selbst darauf zurück.


Studien über Ayurveda

Anerkannt ist Ayurvedamedizin in Österreich noch nicht, in Deutschland wird an einem anerkannten Diplom für Ärzte gearbeitet. Der Grund liegt u.a. an der noch unzureichenden Studienlage. Eine moderne, randomisierte (zufällig zugeordnete Therapie), doppelblinde (Therapeutinnen und Patienten wissen nicht, wer was bekommt), placebokontrollierte Studie nach westlichen Standards kostet viel Geld, welches die europäischen Vertreter der Ayurvedamedizin bisher selten aufbringen konnten.

In Indien sind die Wissenschaftsstandards schwer einzuhalten, die Situation beginnt sich aber zu bessern und immer mehr hochwertige Studien kommen an die Öffentlichkeit. Wer sich hier einlesen möchte (Englisch), kann auf www.dharaonline.org schmökern, wo sich publizierte wissenschaftliche Artikel unterschiedlicher Qualität finden.

Leider lassen sich die oft individuellen und dynamischen sowie vielschichtigen Therapiemodelle des Ayurveda nicht leicht in moderne Studienmodelle eingliedern, welche für den genau definierten klinischen Vergleich zweier chemischer Verbindungen ausgelegt sind.

Oder können sie sich „Placebomassage“, „Placeboabführen“, „Placeboernährung“, „Placeboyoga“, usw. vorstellen? Placeboöl und Placebokräuterwein wurde schon entwickelt. Hier wird gerade an einem neuen Studiendesign, welches sich „whole system research“ (pubmed) nennt, gearbeitet.


Anerkennung bei der Ärztekammer

Ähnlich wie damals bei der chinesischen Medizin mit der Akupunktur wird es auch bei Ayurveda zumindest eine sehr erfolgreiche, groß angelegte westliche Studie zur Anerkennung bei der Ärztekammer und den gesetzlichen Kassen brauchen.

Dieses Ziel erreichen wir dann, wenn genügend zufriedene Patientinnen eine Kostenübernahme durch die Kassen fordern.

Wir hoffen, dazu beitragen zu können!

Für die, welche noch nicht genug bekommen haben (mehr Details): http://www.ayurveda-verband.eu/