Ayurveda-Massage: Wenn der Körper loslässt und der Kopf still wird

Stell dir vor, du liegst auf einer warmen Massageliege. Draußen geht der Tag weiter. Hier musst du gerade nichts beantworten, nichts entscheiden und nichts erledigen. Warmes Kräuteröl berührt deine Haut. Warme Hände bewegen sich ruhig, in langen, fließenden Bahnen, treffen gezielte therapeutische Marmapunkte. Vielleicht merkst du erst jetzt, wie viel Spannung du mitgebracht hast und wie sie entweicht. Danach arbeitet es noch nach, es kann kribbeln, an bekannten Schwachstellen warm werden, der ganze Körper reagiert mit. 

Für mich beginnt hier das Besondere einer Ayurveda-Massage: Du bekommst Zeit, deinen Körper wieder wahrzunehmen. Und manchmal kommt nach der Behandlung dieser Satz, den ich in meiner Ordination immer wieder höre: „Ich bin ein neuer Mensch.“ Oft sind Patient:innen so entspannt, dass sie am liebsten gleich schlafen gehen würden, weshalb ich empfehle, dass man sich lieber nichts vornimmt nach so einer Behandlung. 

Abhyanga – eine Einladung an den ganzen Körper

Im Alltag melden sich oft nur die Stellen, die unangenehm auffallen: ein fester Nacken, müde Schultern, ein Rücken, der sich nach Bewegung sehnt. Bei der Abhyanga, der ayurvedischen Ganzkörperölmassage, darf der Blick weiter werden. Auch Arme, Hände, Beine und Füße bekommen Aufmerksamkeit. Aus einzelnen Körperstellen wird wieder ein zusammenhängendes Gefühl.

Ich mag an dieser Behandlung ihre Sanftheit. Eine Massage muss nicht weh tun, damit sie sich intensiv anfühlt. Wärme, ein gleichmäßiger Rhythmus und aufmerksame Berührung können sehr eindrücklich sein. Wir stimmen Druck und Temperatur auf dich ab. Du darfst jederzeit sagen, was dir angenehm ist.

Wenn ich von ganzheitlich spreche, meine ich dieses Zusammenspiel: Der Körper wird berührt, während auch der Kopf eine Pause bekommen darf. Du liegst da als Mensch mit deinem Alltag, deiner Anspannung und deinem Wunsch nach Erholung.

Warme Heilöle und der Duft einer anderen Zeit

Schon bevor die erste Massagebewegung beginnt, ist da das Öl. Seine Wärme, sein Duft, das weiche Gleiten auf der Haut. Für mich gehört es zum Charakter der Abhyanga wie der Rhythmus der Hände.

Für den Körper verwende ich Maha Narayana Öl, eine traditionelle ayurvedische Kräuteröl-Zubereitung. Für den Kopf nehme ich Brahmi Tailam. Beim Stirnguss kommt eine Mischung aus Sesamöl und ayurvedischen Heilölen zum Einsatz. Hinter diesen Namen steht eine lange Tradition, Pflanzen und Öl für Anwendungen am Körper zusammenzubringen.

In der Behandlung werden aus diesen Namen ganz konkrete Eindrücke: warmes Öl auf der Haut, der Duft der Kräuter, Hände, die ohne Hast weiterwandern. Du musst nichts über einzelne Pflanzenstoffe wissen, um diese Unterschiede wahrzunehmen. Vielleicht ist gerade das so wohltuend: Für eine Weile darf das Erleben wichtiger sein als das Erklären.

Die Kräuteröle wähle ich passend zur Anwendung und deiner Verträglichkeit aus. Je nach medizinischer Fragestellung, werden aus über 10 in Europa geprüft erhältlichen, traditionellen Rezepturen, die passenden Kombinationen gewählt. 

Stirnguss – wenn die Gedanken leiser werden

Nach einer Ganzkörpermassage kann ein Stirnguss ein besonders schöner Abschluss sein. Beim Shirodhara fließt warmes Öl in einem gleichmäßigen Strahl über die Stirn. Du brauchst nichts zu tun. Da ist nur diese stetige, warme Berührung.

In meiner Praxis erlebe ich oft, dass Menschen dabei sehr tief entspannen. Die Gedanken, die vorher noch drängend waren, verlieren an Bedeutung. Manche beschreiben es später so, als wäre der Kopf für eine Weile ganz still geworden. Deshalb wird Shirodhara im klassischen Ayurveda häufig für psychische Leiden, Schlafstörungen, Gedankenkreisen, Burnout und Stress verwendet. Es gibt Studien zur positiven Veränderung der Herzratenvariabilität, am Institut für Physiologie der Meduni Graz durchgeführt. In einer kleinen kontrollierten Untersuchung berichteten Teilnehmerinnen nach dem Öl-Stirnguss weniger Angst als nach einfachem Liegen. Auch der Noradrenalinspiegel sank stärker. Nach fünf Tagen Stirnguss mit Buttermilch (Takradhara) stiegen mehrere HRV-Werte, die mit der parasympathischen Regulation zusammenhängen;

Besonders, wenn nach einer Abhyanga zusätzlich durchgeführt, schlafen viele meiner Patientinnen und Patienten während des Stirngusses ein, häufig schon etwa zur Hälfte der Anwendung. Andere bleiben wach und genießen diese ungewöhnliche Ruhe. Beides darf sein. Du musst auch beim Entspannen nichts erreichen.

Warmer Ölstirnguss Shirodhara bei Dr. Scheidbach in Seiersberg bei Graz
Ein gleichmäßiger Strom warmen Öls und Zeit, die nur dir gehört.

Svedana – eingehüllt in Kräuterwärme

Manchmal passt nach der Ölmassage eine andere Art des Ausklangs: die Svedana, eine sitzende Kräuterdampfanwendung. Der Körper ist von Wärme umgeben, der Kopf bleibt außerhalb des Dampfraums. Der Duft heimischer Kräuter und Gewürze verbindet sich mit Tulsi- und Eukalyptusöl. Tulsi kennst du vielleicht unter dem Namen heiliges Basilikum.

Hier wird die Behandlung noch einmal anders spürbar: Die Hände haben ihre Arbeit getan, jetzt darfst du in der Wärme nachruhen. Welche Anwendung zu dir passt, besprechen wir gemeinsam. Dabei berücksichtige ich auch deinen Kreislauf, empfindliche Atemwege und mögliche Duftstoffunverträglichkeiten.

Eine Untersuchung mit 40 gesunden Erwachsenen erfasste die Veränderungen während einer siebentägigen Svedana-Serie. Die Teilnehmenden berichteten über mehr Entspannung, ein leichteres Körpergefühl und weniger Steifigkeit. Die Autoren berichten außerdem über niedrigere Ruhewerte von Blutdruck und Herzfrequenz.

Eine Studie mit 52 Menschen nach einem Schlaganfall verglich Physiotherapie allein mit Physiotherapie plus ayurvedischer Ölmassage und anschließender Dampfanwendung. Die zusätzliche Behandlung bestand aus etwa 30 Minuten Massage und 15 Minuten Dampf.

Die Kombinationsgruppe konnte früher mit geringer Unterstützung stehen, zeigte bei Entlassung bessere Gehfähigkeit und entwickelte weniger ausgeprägte Spastik. Die Gruppen wurden allerdings nach Patientenentscheidung gebildet, nicht zufällig zugeteilt.

„Ich bin ein neuer Mensch“ – was nach der Massage bleibt

Der schönste Moment kommt für mich oft erst nach der Behandlung. Wenn jemand wieder aufsteht, sich bewegt und merkt: Das fühlt sich heute anders an. Viele erzählen mir von einem leichteren, beweglicheren Körpergefühl. Oder sagen eben diesen einen Satz: „Ich bin ein neuer Mensch.“

Nach den Rückmeldungen aus meiner Praxis begleitet dieses angenehme Gefühl viele noch einige Tage, manche auch Wochen. Das sind persönliche Erfahrungen; wie du dich danach fühlst und wie lange es anhält, ist individuell.

Wenn du kannst, lass nach deinem Termin etwas Luft im Kalender. Ein ruhiger Heimweg, ein Abend ohne großes Programm, ein wenig Zeit für dich. Du musst aus dieser Pause nicht sofort wieder in den nächsten Termin springen.

Jedenfalls sollest du es bei akuten Schmerzen nach der Therapie nicht übertreiben, wenn du dann schmerzfreier und beweglicher bist. Führe deine Bewegungen dennoch langsam aus und achte auf deine Haltung und richtiges Heben. Zugluft nach der Wärmeanwendung kann sehr schnell zu erneuten Verspannungen führen. 

Selbstmassage – ein kleiner Moment, der dir gehört

Nicht jeden Tag ist Zeit für eine Behandlung in der Praxis. Eine sanfte Selbstmassage kann trotzdem ihren Platz in deinem Alltag finden: etwas angenehm warmes Öl in den Händen, ruhige Bewegungen über Arme und Beine, ein paar Minuten Aufmerksamkeit für deinen Körper. Du musst dabei nichts leisten und keinen verspannten Punkt „wegdrücken“. Vielleicht bemerkst du, wo du Berührung gerade besonders angenehm findest – und wo weniger mehr ist. Ich zeige dir gerne, welches Öl und welche Griffe für dich passen. Bei frisch verletzten, geröteten oder geschwollenen Stellen lässt du die Massage aus und klärst die Ursache zunächst ab.

Kati Basti – wohltuende Wärme für deinen unteren Rücken

Bei Kati Basti bleibt das warme Kräuteröl an einem Ort: Ein weicher Teigring umschließt einen Bereich deines unteren Rückens und hält darin ein kleines Ölbad. Während du auf dem Bauch liegst, wird das Öl behutsam auf einer angenehm warmen Temperatur gehalten. So entsteht eine anhaltende, örtliche Wärmeanwendung. Bevor wir beginnen, kläre ich deine Beschwerden ab und prüfe, ob Wärme dafür geeignet ist. Die Behandlung darf sich angenehm und geborgen anfühlen – brennend heiß und schmerzhaft soll es nicht sein, weshalb ich immer mit 2 Thermometern arbeite, um dich vor Verbrennungen zu schützen.

  • 58 Patienten mit Ischiasbeschwerden: Nach zwei Wochen verbesserten sich Schmerzen und Beinhebetest sowohl unter Kati Basti als auch unter TENS; TENS linderte die Schmerzen stärker. Studie von 2015
  • 40 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen: Yoga mit und ohne zusätzliches Kati Basti führte zu Verbesserungen. Ein zusätzlicher Nutzen von Kati Basti gegenüber Yoga allein ließ sich nicht nachweisen. Randomisierte Studie von 2024
Kati Basti: Teigring mit warmem Kräuteröl auf dem unteren Rücken – KI-generiertes Symbolbild
Kati Basti: ein warmes Kräuterölbad für den unteren Rücken. KI-generiertes Symbolbild.

Deine Ayurveda-Massage bei Graz

In meiner Ordination im Ärztezentrum Seiersberg führe ich die Massage persönlich durch. Vorher besprechen wir, was dich zu mir führt und welche Behandlung du dir wünschst. Auch Beschwerden, eine Schwangerschaft, Erkrankungen oder Allergien gehören in dieses Gespräch. Deine Grenzen und dein Wohlbefinden bestimmen den Ablauf mit. Die Ayurveda-Klassiker sind:  

  • Abhyanga: 50 Minuten Ganzkörperölmassage, 105 Euro.
  • Abhyanga mit Svedana: Ganzkörperölmassage und Kräuterdampf, 150 Euro.
  • Stirnguss mit Kopf- und Nackenmassage: 95 Euro.
  • Abhyanga mit Stirnguss: 190 Euro.
  • Katibasti – mit heißem Öl gefüllter Teilgring am Rücken: 90 Euro, beim ersten Mal 30 Euro für das konzentrierte Heilöl

Je nach medizinischem Bedarf verwende ich auch klassische Massagetechniken, Reflexpunkte oder Infrarottherapie. Aktuell führe ich alle Massagen persönlich durch, und beim massieren des ganzen Körpers fallen meist Verspannungen, Fehlstellungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparates auf, weshalb auch immer Anteile der ärztlichen Heilmassage mit einfließen. 

Ärztliche Heilmassage und Kostenerstattung

Wenn eine Heilmassage medizinisch notwendig ist und eine entsprechende Diagnose vorliegt, kann eine teilweise Kostenerstattung infrage kommen. Eine private Zusatzversicherung kann je nach Vertrag weitere Kosten übernehmen. Kläre die Voraussetzungen am besten vorab mit deiner Versicherung. Manchmal wird dafür auch die Erstattungs- oder Ablehnungsmitteilung der gesetzlichen Krankenversicherung benötigt, wo du zuerst einreichen kannst. 

Entscheidend sind die tatsächlich durchgeführte Behandlung, die medizinische Indikation und dein Versicherungsschutz. Eine Ayurveda-Massage zur Erholung, wie sie in Hotels durchgeführt wird, ist damit nicht automatisch erstattungsfähig. Informationen zur Einreichung findest du bei der ÖGK und zu einem privaten Versicherungsangebot beispielsweise bei UNIQA.

Vielleicht ist jetzt Zeit für diese Pause

Du möchtest selbst spüren, wie sich warme Kräuteröle und eine sanfte Ganzkörpermassage anfühlen und Verspannungen und Bewegungseinschränkungen ärztlich behandeln? Ich freue mich, dich in meiner Praxis zu begleiten.

Massageangebote ansehen und deinen Termin wählen

Bei Fragen erreichst du uns unter +43 660 497 1972 oder über das Kontaktformular. Du findest die Praxis in der Premstätterstraße 1, TOP 10, 8054 Seiersberg.

Ayurveda Arzt in Graz - Dr. med. Daniel Scheidbach

Ayurveda-Beratung zur Gesundheitsvorsorge und bei medizinischen Fragestellungen, z.B. bei Verdauungsbeschwerden, Allergien, Autoimmunerkrankungen, Schmerzen im Bewegungsapparat, Rückenschmerzen, Schlafstörungen und psychischem Ungleichgewicht

Blutegelbehandlung bei Krampfadern, Tinnitus und Arthrose / Arthritis

Sinusitis Therapie bei chronischen Nebenhöhlenbeschwerden und Allergien

Dr. med. Daniel Scheidbach
MSc in Ayurvedic Medicine
Ayurveda Arzt in Graz