Gut durch den Herbst mit Ayurveda
Warum jetzt Vata steigt – und was Ernährung, Tagesrhythmus, Schlaf und Wärme damit zu tun haben
Der Herbst ist für mich eine jener Jahreszeiten, in denen man Ayurveda besonders unmittelbar erleben kann.
Innerhalb weniger Wochen verändert sich vieles gleichzeitig: Die Tage werden kürzer, morgens ist es plötzlich kalt, die Luft wird trockener, es wird windiger – und auch der eigene Körper reagiert.
Manche merken trockene Haut oder kalte Hände und Füße. Andere schlafen unruhiger, bekommen wieder Blähungen oder Verstopfung, fühlen sich innerlich unruhiger oder haben plötzlich das Bedürfnis nach warmem Essen statt Salat.
Im Ayurveda ist das ziemlich klassisch:
Der Herbst ist vor allem Vata-Zeit.
Vata ist eines der drei Doshas – ein traditionelles ayurvedisches Funktionsprinzip – und wird unter anderem durch die Eigenschaften
kalt, trocken, leicht, beweglich, rau und unregelmäßig
beschrieben.
Genau diese Eigenschaften bringt auch ein typischer Herbsttag mit sich: Wind, wechselnde Temperaturen, trockene Luft und viel Veränderung.
Nach einem der Grundprinzipien des Ayurveda – „Gleiches verstärkt Gleiches“ – können dadurch auch Vata-Eigenschaften im Menschen stärker werden.
Das heißt aber natürlich nicht, dass die moderne Medizin irgendwo im Blut einen erhöhten „Vata-Wert“ messen könnte.
Doshas sind ein traditionelles medizinisches Modell.
Interessant finde ich vielmehr, dass viele praktische Konsequenzen, die Ayurveda daraus ableitet, erstaunlich gut zu dem passen, was wir heute aus Chronobiologie, Schlafmedizin, Ernährungsmedizin und Schleimhautforschung wissen.
Und genau diese Brücke möchte ich in diesem Artikel schlagen.
Was verändert sich im Herbst eigentlich wirklich?
Unser Organismus lebt nicht unabhängig von der Jahreszeit.
Einer der stärksten äußeren Zeitgeber ist Licht.
In einer Untersuchung mit mehr als 500 Studierenden in Seattle zeigte sich beispielsweise, dass Schlaf- und zirkadiane Rhythmik trotz moderner künstlicher Beleuchtung saisonal unterschiedlich blieben: Im Herbst und Winter verschob sich die Schlafzeit nach hinten. Entscheidend war unter anderem, wie viel Tageslicht die Menschen tagsüber tatsächlich bekamen. PubMed
Dazu kommen Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
Besonders trockene Luft beeinflusst die Eigenschaften des Schleims in unseren Atemwegen und damit auch die mukoziliäre Clearance – also den Mechanismus, mit dem Flimmerhärchen Schleim, Staub und Krankheitserreger aus Nase und Atemwegen abtransportieren.
Eine aktuelle Übersicht beschreibt, dass ungünstige Luftfeuchtigkeit sowohl die Schleimbarriere als auch die Infektanfälligkeit beeinflussen kann. PubMed
Ayurveda würde dazu sagen:
Kälte und Trockenheit erhöhen Vata.
Die moderne Physiologie verwendet natürlich andere Begriffe.
Aber praktisch kommen wir teilweise zu sehr ähnlichen Empfehlungen.
1. Regelmäßigkeit ist wahrscheinlich eine der besten Vata-Therapien
Vata steht für Bewegung und Veränderung.
Das Gegenprinzip ist deshalb:
Rhythmus.
Gerade im Herbst empfehle ich, einige Dinge möglichst konstant zu halten:
- ungefähr zur gleichen Zeit aufstehen
- Mahlzeiten nicht ständig verschieben
- nicht den ganzen Tag nebenbei essen
- ausreichend früh zur Ruhe kommen
- regelmäßige Bewegung
- bewusste Pausen
Das klingt vielleicht wenig spektakulär.
Aber unsere moderne Chronobiologie beschäftigt sich inzwischen intensiv damit, wann wir essen und schlafen – und nicht nur damit, was wir essen.
Eine Meta-Analyse von 29 randomisierten Studien mit insgesamt 2.485 Erwachsenen untersuchte unterschiedliche Strategien des Mahlzeitentimings.
Time-restricted Eating, weniger Mahlzeiten und eine frühere Kalorienverteilung über den Tag waren jeweils mit einer gewissen Gewichtsabnahme verbunden.
Allerdings waren die Effekte eher klein und die Studienqualität zum Teil eingeschränkt.
Das ist wichtig: Daraus folgt nicht, dass jeder Mensch nur noch in einem Acht-Stunden-Fenster essen sollte.
Aber es spricht durchaus dafür, dass unser Stoffwechsel einen Tagesrhythmus besitzt und sehr spätes, unregelmäßiges Essen wahrscheinlich nicht optimal ist. PubMed
Das passt gut zu einer klassischen ayurvedischen Empfehlung:
Mittags darf die Hauptmahlzeit größer sein – abends eher leichter essen.
Nicht als starres Gesetz.
Aber als Orientierung.
2. Im Herbst darf Essen wieder warm und gekocht sein
Ayurveda arbeitet viel mit Eigenschaften.
Wenn Vata kalt, trocken und leicht ist, werden zum Ausgleich eher Lebensmittel bevorzugt, die
warm, gekocht, etwas feucht und nährend
sind.
Das heißt nicht, dass Rohkost plötzlich ungesund wird.
Ein gesunder Mensch mit guter Verdauung kann natürlich auch im Oktober einen Salat essen.
Aber wenn jemand ohnehin zu
- Blähungen
- Bauchkrämpfen
- kalten Händen und Füßen
- trockenem Stuhl
- Verstopfung
- frühem Völlegefühl
neigt, dann ist ein großer kalter Rohkostteller am Abend oft nicht gerade das Gericht, das ich als Erstes empfehlen würde.
Typische Lebensmittel, die sich im Herbst gut eignen, sind etwa:
- Kürbis
- Karotten
- Süßkartoffeln
- Pastinaken
- Fenchel
- Zucchini
- Kartoffeln
- gekochte Äpfel und Birnen
- Hafer
- Reis
- Mungbohnen
- rote Linsen
- Nüsse und Nussmus
- hochwertige Pflanzenöle
Gerade Suppen und Eintöpfe sind aus ayurvedischer Sicht oft ideal.
Sie verbinden Flüssigkeit, Wärme und gut aufgeschlossene Lebensmittel.
Eine meiner einfachsten Regeln aus der Praxis lautet:
Je empfindlicher die Verdauung, desto einfacher und besser gekocht darf das Essen sein.
3. Agni – was Ayurveda mit „Verdauungsfeuer“ meint
Ein zentraler Begriff im Ayurveda ist Agni.
Wörtlich bedeutet Agni Feuer.
Medizinisch wird damit aber kein echtes Feuer im Bauch gemeint, sondern ein traditionelles Modell für Verdauung, Aufnahme und Stoffwechsel.
Ein stabiles Agni äußert sich klassisch durch
- regelmäßigen Appetit
- gute Verdauung
- wenig Blähungen
- normalen Stuhl
- Energie nach dem Essen statt bleierner Müdigkeit.
Wenn Agni schwach oder unregelmäßig wird, treten aus ayurvedischer Sicht leichter Beschwerden auf.
Gerade Vata kann Agni unregelmäßig machen.
Das erkennt man häufig daran, dass jemand an einem Tag enorm hungrig ist und am nächsten kaum Appetit hat.
Oder dass dieselbe Mahlzeit einmal problemlos vertragen wird und zwei Tage später zu Blähungen führt.
Praktisch versuche ich dann häufig zuerst, wieder Regelmäßigkeit hineinzubringen:
gleiche Essenszeiten, nicht ständig snacken, warme Mahlzeiten und weniger komplizierte Kombinationen.
4. Ingwer, Fenchel, Kreuzkümmel & Co. – Gewürze können mehr als Geschmack
Ayurveda verwendet Gewürze nicht nur wegen des Geschmacks.
Viele gelten traditionell als Agni-anregend oder verdauungsunterstützend.
Typische Herbstgewürze sind zum Beispiel:
- Ingwer
- Fenchel
- Kreuzkümmel
- Koriander
- Kardamom
- Ceylon-Zimt
- Kurkuma
- etwas schwarzer Pfeffer.
Interessanterweise gibt es bei einigen dieser Gewürze mittlerweile auch moderne Daten.
Ein schönes Beispiel ist Ingwer.
In einer kleinen randomisierten Doppelblindstudie erhielten elf Patienten mit funktioneller Dyspepsie entweder 1,2 g Ingwer oder Placebo.
Die Magenentleerung war nach Ingwer tatsächlich schneller: Die mediane Halbentleerungszeit lag bei etwa 12,3 statt 16,1 Minuten.
Wichtig ist aber auch das zweite Ergebnis:
Die Beschwerden selbst verbesserten sich in dieser kleinen Studie dadurch nicht signifikant. PubMed
Das ist für mich ein schönes Beispiel dafür, wie man Phytotherapie einordnen sollte.
Nicht:
„Ingwer heilt Verdauungsprobleme.“
Sondern:
Es gibt plausible Mechanismen und interessante klinische Hinweise – aber nicht jeder Mensch profitiert gleich.
Im Alltag reicht oft schon etwas frischer Ingwer im Essen oder als Tee.
Bei Reflux, Gastritis oder ausgeprägtem Pitta würde ich wiederum zurückhaltender sein.
Auch das ist Ayurveda:
Nicht alles, was gesund ist, ist für jeden Menschen und jede Situation gleich gut.
5. Schlaf ist wahrscheinlich wichtiger als das nächste „Immunpräparat“
Eine meiner ersten Fragen bei Menschen, die ständig müde oder infektanfällig sind, lautet:
Wie schläfst du?
Das Immunsystem und der Schlaf beeinflussen sich gegenseitig sehr stark.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit beschreibt die komplexe Kommunikation zwischen Schlaf, Entzündungsreaktionen und angeborener wie erworbener Immunantwort.
Chronische Schlafstörungen sind unter anderem mit stärkerer entzündlicher Aktivität und höherer Infektanfälligkeit verbunden. Umgekehrt verändern Infektionen wiederum unseren Schlaf. PubMed
Das ist für mich wesentlich relevanter als viele vermeintliche „Immunbooster“.
Wer regelmäßig fünf Stunden schläft, ständig gestresst ist und spätabends arbeitet, wird dieses Problem kaum durch ein paar Nahrungsergänzungsmittel wegkompensieren.
Aus ayurvedischer Sicht ist leichter, unterbrochener Schlaf ebenfalls ein klassisches Zeichen eines erhöhten Vata.
Deshalb sind gerade im Herbst einfache Maßnahmen sinnvoll:
- regelmäßige Schlafenszeit
- morgens Tageslicht
- abends Licht reduzieren
- schwere Mahlzeiten spätabends vermeiden
- möglichst wenig Arbeit direkt vor dem Schlafengehen
- ein bewusstes Abendritual entwickeln.
6. Geh auch im Herbst hinaus ins Tageslicht
Im Sommer erledigt sich das fast automatisch.
Im Herbst verbringen wir dagegen schnell
Wohnung → Auto → Büro → Auto → Wohnung
und wundern uns, warum wir ständig müde sind.
Licht ist einer der wichtigsten Zeitgeber für unsere innere Uhr.
Die bereits erwähnte Studie über saisonale Schlafveränderungen zeigt deutlich, dass die Menge und der Zeitpunkt der Tageslichtexposition eng mit dem Schlafrhythmus zusammenhängen. PubMed
Deshalb empfehle ich gerade im Herbst:
Jeden Tag hinaus.
Auch wenn es bewölkt ist.
Draußen ist die Lichtintensität meist um ein Vielfaches höher als in normalen Innenräumen.
Ein Spaziergang am Vormittag oder zumindest rund um die Mittagszeit verbindet dabei gleich mehrere sinnvolle Maßnahmen:
Tageslicht, Bewegung, Stressreduktion und frische Luft.
7. „Immunsystem stärken“ – medizinisch ist das eigentlich zu einfach
Der Ausdruck „Immunsystem stärken“ wird gerne verwendet.
Medizinisch ist er aber nicht besonders präzise.
Wir wollen schließlich nicht einfach eine möglichst starke Immunantwort.
Bei Allergien und Autoimmunerkrankungen ist eine überschießende Immunreaktion gerade Teil des Problems.
Besser wäre:
Das Immunsystem soll angemessen und gut reguliert reagieren.
Im Herbst kann man dafür vernünftige Rahmenbedingungen schaffen:
- ausreichend schlafen
- regelmäßig bewegen
- genug Eiweiß und Energie zuführen
- abwechslungsreich Gemüse und Obst essen
- Mangelzustände vermeiden
- chronischen Stress reduzieren
- die Schleimhäute nicht völlig austrocknen lassen.
Gerade dieser letzte Punkt ist interessant.
Der Schleim unserer Atemwege ist nicht einfach nur lästig, sondern Teil der Schutzbarriere.
Die Luftfeuchtigkeit verändert unter anderem die Viskosität und Osmolarität des Schleims und damit auch die Funktion der mukoziliären Clearance. PubMed
Ayurvedisch formuliert:
Trockenheit verstärkt Vata – und deshalb sollten wir im Herbst nicht noch zusätzlich austrocknen.
8. Trinken – aber man muss nicht literweise heißes Wasser erzwingen
In meinen älteren Ayurveda-Texten habe ich teilweise sehr konkrete Trinkmengen empfohlen.
Heute sehe ich das etwas differenzierter.
Es gibt keinen Grund, warum jeder Mensch grundsätzlich zwei oder drei Liter heißes Wasser trinken müsste.
Der Flüssigkeitsbedarf hängt unter anderem von
- Körpergröße
- Ernährung
- Bewegung
- Außentemperatur
- Schwitzen
- Nierenfunktion
- Medikamenten
ab.
Sinnvoll ist aber:
Durst ernst nehmen und bei trockener Luft ausreichend trinken.
Wer kalte Getränke schlecht verträgt, kann Wasser oder Tee natürlich warm trinken.
Im Ayurveda werden besonders bei Vata häufig warme Getränke empfohlen.
Fenchel, Ingwer, Kardamom oder ein milder Gewürztee passen dazu gut.
9. Öl und Abhyanga – eines meiner liebsten Herbst-Rituale
Eine klassische Vata-Anwendung ist die Abhyanga, also eine Ölmassage.
Traditionell wird sie eingesetzt, um
- Trockenheit zu reduzieren
- Vata zu beruhigen
- Entspannung zu fördern
- Haut und Gewebe zu pflegen.
Für die spezifische Behauptung, dass eine Selbstmassage tatsächlich messbar das „Vata-Dosha senkt“, gibt es natürlich keine robuste moderne wissenschaftliche Evidenz.
Ich finde trotzdem, dass Abhyanga eines der sinnvollsten ayurvedischen Herbst-Rituale ist.
Warum?
Weil man sich für zehn oder fünfzehn Minuten
langsam bewegt, berührt, wärmt und nicht aufs Handy schaut.
Das allein ist schon ziemlich wertvoll.
Bei trockener Haut kommt noch die pflegende Wirkung des Öls hinzu.
Bei klassischem Vata verwende ich gerne erwärmtes Sesamöl.
Wer viel Hitze oder empfindliche Haut hat, kann ein neutraleres oder kühleres Öl wählen.
Danach warm duschen.
Fertig.
Es muss nicht kompliziert sein.
10. Bewegung: regelmäßig – aber nicht permanent Vollgas
Ayurveda empfiehlt Bewegung.
Aber eben der Konstitution und der Situation angepasst.
Wenn Vata ohnehin hoch ist und jemand
- wenig schläft
- ständig friert
- unter enormem beruflichem Stress steht
- kaum regelmäßig isst
- und sich zusätzlich jeden Tag beim Training völlig verausgabt,
dann hilft wahrscheinlich nicht noch mehr Disziplin.
Der Körper braucht Belastung und Regeneration.
Im Herbst eignen sich zum Beispiel:
- Spaziergänge
- Krafttraining
- Radfahren
- ruhiges Joggen
- Yoga
- Mobilitätstraining.
Sehr intensives Training darf natürlich ebenfalls sein.
Aber danach sollte genug Zeit für Essen, Wärme und Erholung bleiben.
Wie könnte ein einfacher Ayurveda-Herbsttag aussehen?
Ayurveda muss nicht bedeuten, dass man um fünf Uhr morgens Sanskrit-Mantras rezitiert und danach drei Stunden indisch kocht.
Ein unkomplizierter Herbsttag könnte zum Beispiel so aussehen:
Frühstück
Haferbrei mit
- gekochtem Apfel
- Kardamom
- Ceylon-Zimt
- etwas Nussmus
- einigen Nüssen oder Samen.
Wer morgens keinen Hunger hat, muss selbstverständlich nicht zwanghaft frühstücken.
Mittagessen
Eine größere warme Mahlzeit, zum Beispiel:
Reis oder Kartoffeln mit Kürbis, Fenchel oder Zucchini und einer guten Proteinquelle.
Vegetarisch oder vegan passen etwa:
- Mungdal
- rote Linsen
- Tofu
- Tempeh
- Hülsenfrüchte, soweit sie gut vertragen werden.
Dazu Kreuzkümmel, Koriander, Ingwer und etwas Kurkuma.
Nachmittags
Fenchel-Kardamom-Tee oder Ingwertee.
Abend
Etwas leichter:
- Gemüsesuppe
- Dal
- Eintopf
- gekochtes Gemüse mit Proteinquelle.
Der entscheidende Punkt ist nicht, dass jedes Gericht „perfekt ayurvedisch“ ist.
Viel wichtiger sind:
Regelmäßigkeit, Nährstoffversorgung, gute Verträglichkeit und Alltagstauglichkeit.
Was Ayurveda und moderne Wissenschaft miteinander zu tun haben – und was nicht
Ich versuche bewusst nicht, Ayurveda dadurch wissenschaftlich erscheinen zu lassen, dass ich moderne Begriffe einfach über alte Konzepte lege.
Das halte ich für unseriös.
Die Wissenschaft hat nicht bewiesen, dass es Vata, Pitta und Kapha als physiologische Entitäten gibt.
Doshas sind ein traditionelles medizinisches Erklärungsmodell.
Spannend finde ich vielmehr die praktischen Überschneidungen.
Ayurveda sagt: Im Herbst steigt Vata.
Moderne Medizin sagt:
Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Aktivität und Schlaf verändern sich saisonal. PubMed
Ayurveda empfiehlt Regelmäßigkeit.
Chronobiologie zeigt:
Unser Stoffwechsel, unsere Hormone und unser Schlaf folgen zeitlichen Rhythmen; auch der Zeitpunkt von Mahlzeiten scheint metabolisch relevant zu sein. PubMed
Ayurveda misst dem Schlaf große Bedeutung bei.
Moderne Immunologie zeigt:
Schlaf, Entzündungsregulation und Immunantwort hängen eng miteinander zusammen. PubMed
Ayurveda verwendet Gewürze zur Unterstützung von Agni.
Bei einzelnen Gewürzen wie Ingwer lassen sich tatsächlich Effekte auf gastrointestinale Funktionen messen – auch wenn das nicht bedeutet, dass traditionelle Erklärungsmodelle dadurch automatisch bestätigt wären. PubMed
Genau hier finde ich Ayurveda spannend:
nicht als Konkurrenz zur modernen Medizin, sondern als anderes Denkmodell, aus dem sich teilweise sehr vernünftige und alltagstaugliche Maßnahmen ableiten lassen.
Meine 7 wichtigsten Ayurveda-Tipps für den Herbst
Wenn du aus diesem Artikel nur sieben Dinge mitnehmen möchtest:
1. Halte dich warm.
Besonders Hände und Füße müssen nicht ständig kalt sein.
2. Bring Regelmäßigkeit in deinen Tag.
Schlafen, Essen und Bewegung dürfen einen Rhythmus haben.
3. Iss bei empfindlicher Verdauung häufiger warm und gekocht.
Vor allem abends.
4. Verwende Gewürze.
Ingwer, Fenchel, Kreuzkümmel, Koriander und Kardamom gehören zu meinen Herbstfavoriten.
5. Geh täglich ins Tageslicht.
Auch bei schlechtem Wetter.
6. Nimm Schlaf ernst.
Regeneration ist kein Luxus.
7. Reduziere Hektik.
Vata braucht nicht noch mehr Bewegung – sondern häufig das Gegenteil.
Ayurveda im Herbst praktisch erleben
Im September und Oktober gibt es bei mir mehrere Möglichkeiten, Ayurveda nicht nur zu lesen, sondern praktisch kennenzulernen.
Kostenlose Online-Infoabende zur Ayurveda-Herbstkur
15. September und 21. September 2026, jeweils um 19 Uhr
Ich erkläre den Ablauf der Kur, die Ernährung, Kräuter und Begleitmaßnahmen und beantworte natürlich Fragen.
Ayurveda-Herbstkur
2.–23. Oktober 2026
Die Kur ist berufsbegleitend konzipiert und kann großteils auch online durchgeführt werden.
Dazu gehören persönliche ärztliche Betreuung, Vorträge, Yoga, Tagesplan sowie Kräuter- und Materialpaket.
Ayurvedische Pulsdiagnostik mit Vaidya Ronak Naik
29. und 30. September 2026
Für zwei Tage ist Vaidya Ronak Naik von Ayushakti aus Indien bei mir in der Praxis zu Gast.
Gemeinsam bieten wir persönliche Termine zur ayurvedischen Pulsdiagnostik an.
Ayurveda-Kochkurs
24. Oktober 2026
Hier wird aus Theorie Praxis.
Wir kochen gemeinsam einfache ayurvedische Gerichte und beschäftigen uns damit, wie ayurvedische Ernährung tatsächlich im normalen Alltag funktionieren kann.
→ Alle aktuellen Termine findest du unter vedizin.at/veranstaltungen
Fazit: Der Herbst darf etwas ruhiger werden
Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft des Ayurveda im Herbst:
Wir müssen nicht zu jeder Jahreszeit gleich leben.
Im Sommer darf vieles leicht, aktiv und spontan sein.
Wenn es draußen kälter und dunkler wird, dürfen auch wir etwas langsamer werden.
Mehr Wärme.
Mehr Rhythmus.
Gekochtes Essen.
Ausreichend Schlaf.
Tageslicht und Bewegung.
Und vielleicht auch einmal einen Abend ohne Bildschirm und Termine.
Ayurvedisch gesprochen bedeutet das:
Vata beruhigen.
Modern formuliert könnte man sagen:
dem Körper stabile Rahmenbedingungen geben, während sich außen gerade vieles verändert.
Und dafür braucht es häufig viel weniger Aufwand, als man denkt.
Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Literatur
Dunster GP et al.
Daytime light exposure is a strong predictor of seasonal variation in sleep and circadian timing of university students.
Journal of Pineal Research. 2023;74:e12843. PMID: 36404490.
Die Untersuchung mit mehr als 500 Studierenden zeigte trotz moderner Lebensweise saisonale Veränderungen von Schlaf und circadianem Timing. PubMed
Guarnieri G et al.
Relative Humidity and Its Impact on the Immune System and Infections.
International Journal of Molecular Sciences. 2023;24:9456. PMID: 37298409.
Übersichtsarbeit zum Einfluss der Luftfeuchtigkeit unter anderem auf Schleim, epitheliale Barriere und mukoziliäre Clearance. PubMed
Feuth T.
Interactions between sleep, inflammation, immunity and infections: A narrative review.
Immunity, Inflammation and Disease. 2024;12:e70046. PMID: 39417642.
Aktuelle Übersicht zur bidirektionalen Beziehung zwischen Schlaf, Immunantwort, Entzündung und Infektionen. PubMed
Liu HY et al.
Meal Timing and Anthropometric and Metabolic Outcomes: A Systematic Review and Meta-Analysis.
JAMA Network Open. 2024;7:e2442163. PMID: 39485353.
29 randomisierte Studien mit 2.485 Teilnehmern; kleinere Vorteile für zeitlich begrenztes Essen, niedrigere Mahlzeitenfrequenz bzw. frühere Kalorienaufnahme, allerdings mit relevanten Einschränkungen der Evidenzqualität. PubMed
Hu ML et al.
Effect of ginger on gastric motility and symptoms of functional dyspepsia.
World Journal of Gastroenterology. 2011. PMID: 21218090.
Kleine randomisierte Doppelblindstudie: 1,2 g Ingwer beschleunigten die Magenentleerung, führten jedoch nicht zu einer signifikanten Symptomverbesserung.
Ayurveda-Beratung zur Gesundheitsvorsorge und bei medizinischen Fragestellungen, z.B. bei Verdauungsbeschwerden, Allergien, Autoimmunerkrankungen, Schmerzen im Bewegungsapparat, Rückenschmerzen, Schlafstörungen und psychischem Ungleichgewicht
Blutegelbehandlung bei Krampfadern, Tinnitus und Arthrose / Arthritis
Sinusitis Therapie bei chronischen Nebenhöhlenbeschwerden und Allergien
Dr. med. Daniel Scheidbach
MSc in Ayurvedic Medicine
Ayurveda Arzt in Graz